Die Ziegeleien

Neben den Wind-, Wasser- und Motormühlen formten und veränderten jahrzehntelang auch zahlreiche Ziegeleien durch die raumgreifenden Produktionsstätten und Tonstiche das Landschaftsbild von Dützen. Heutige Straßenbezeichnungen wie Ziegeleiweg, Klinkerstraße und Tonweg weisen darauf hin, dass hier einst Ziegel hergestellt wurden.

Im Süden, wo das Stadtgebiet das Wiehengebirge berührt, besteht der Untergrund in tieferen Schichten aus Ton-, Tonmergel-, Kalk- und Sandsteinen. Diese Gesteine stammen aus dem Trias, Jura und der Unterkreide.

Durch die günstigen Bodenverhältnisse rund um Minden entstanden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Ziegeleien. Es brach eine regelrechte "Gründerwelle" in den Dörfern Bölhorst, Häverstädt und Dützen aus.

Die erste Ziegelei entstand um 1830 in Bölhorst unterhalb des "Hucken". Aus einer Aufstellung der Mindener Handelskammer geht hervor, dass es im Jahre 1872 im Amt Dützen 32 Ziegeleien gab. Allein 26 Betriebe waren davon in den drei Nachbargemeinden Bölhorst (8), Häverstädt (9) und Dützen (9) ansässig.

In der Blütezeit zählten in Dützen zu den bäuerlichen Brennereien

rechtsseitig: Bickmeier Nr. 3  "  Bickmeier Nr. 5  "  Pries-Huck Nr. 13  "  Kelle Nr. 14, Arnsmeier Nr. 44  "  Sensmeier Nr. 82  "  Luhmann Nr. 104,

linksseitig: Kreuger-Huck Nr. 4  "  Lohmeier & Matthies Nr. 61

Es handelte sich dabei sämtlich um Feldbrandziegeleien, die auch Ziegelbäckereien oder Ziegelhütten genannt wurden. Feldbrandziegeleien waren fast ausschließlich einfache vorindustrielle Kleinbetriebe, die landwirtschaftlichen Betrieben zugeordnet waren und für den lokalen Markt produzierten.

Die Ziegelherstellung erfolgte weitestgehend in Handarbeit. Pro Ziegelei wurden durchschnittlich fünf Arbeitskräfte beschäftigt. Der Grund, dass nur wenige Beschäftigte bei den Feldbrandbauern gemeldet waren, lag darin, dass diese Hilfskräfte auch in der Landwirtschaft tätig waren. Im Jahre 1872 waren durchschnittlich 5 Mitarbeiter gemeldet, jedoch in der "Hochzeit" nur 3 Hilfskräfte. Es handelte sich sehr oft um Saisonkräfte.

Schon um 3 - 4 Uhr, wenn der sommerliche Morgen dämmerte, begannen die Ziegelbäcker mit der Arbeit. Ausgangsmaterial war Tonschiefer der Unterkreide, der verschieden tief (manchmal drei bis vier Meter) im Boden lagerte. Mit dem Spaten wurde er ausgegraben und in Schiebkarren geladen, die dann in eine "Tonmühle" entleert wurden. Hier wurde dem eingefüllten Ton Wasser beigemengt und dann gemischt und gemahlen. Die Mühle glich einem großen senkrecht aufgestellten Weinfass. In der Mitte befand sich eine eiserne Spindel, an der ein langer Querbalken befestigt war. Vor diesen Balken wurde ein Pferd gespannt, das im Kreis um die Mühle herumtrabte und diese so zum Drehen brachte. Der vorbereitete Ton verließ unten durch ein Auslaufloch die Fassmühle und wurde dann auf die Ziegelbäckertische gebracht.

Die Arbeiter entnahmen mit beiden Händen ein Klumpen Ton und schlugen ihn in hölzerne Doppelformen. Anschließend wurden die noch heute üblichen rechteckigen Quader, die aus der unförmigen Masse entstanden waren, im Freien auf die "Diele" zum Trocknen ausgelegt. Lufttrockene Steine kamen zunächst in einen langen Trockenschuppen. Dieses langgestreckte, schauerartige, ungefugte "Bauwerk" glich eher einer Ruine.

Die Steine wurden dann in einem für heutige Verhältnisse primitiven Ofen gebrannt. Da man noch keinen Ringofen kannte, musste der Ofen nach jedem Brennen gereinigt und neu beschickt werden. Beim Stapeln des "Rohmaterials" im Ofen wurde auf jede Steinschicht eine Schicht feiner Kohlen geworfen. Dann wurde das Feuer angelegt. Man setzte zunächst die unterste Kohlenschicht in Brand. In dicken Schwaden zog der Qualm aus den Zügen und Fugen ab.

Da die Feldbrandmeiler dicht beieinander standen, war bei "Vollproduktion" die ganze Gegend durch den Rauch vernebelt. Fünf bis sechs Tage dauerte es, bis die Kanäle von einem bis anderen Ende durchgebrannt waren. Drei Wochen aber musste so ein Ofen brennen, bis die Steine hart genug waren. Feldbrandöfen bestanden nur so lange, bis das im Abbau befindliche Feld ausgeziegelt war.

Durch die zahlreichen Freiheitskriege wurde der Bedarf an Ziegeln zum Bau von Garnisonen in Minden deutlich mehr. Das Amt Dützen produzierte im Jahr 1872  9,16 Millionen Mauerziegel. Zwei Jahre zuvor soll das Ergebnis bei 20 Mio. Ziegeln gelegen haben. Eine fast unglaubliche Zahl, wenn man sich die Arbeitsverhältnisse dieser Jahre vor Augen hält. Grund dieses Ergebnisses war, dass die Ziegeleien in Wesernähe, durch eine lang anhaltende Ãœberschwemmung nicht betrieben werden konnten. Dies hatte Zufolge, dass in den Ziegeleien im Amt Dützen jetzt rund um die Uhr gearbeitet werden musste, um so die Nachfrage abzudecken.

Doch Ende der 70er Jahre kam eine Wirtschaftsflaute und die Anzahl der Ziegeleien im Amt ging auf 20 zurück. Erst zur Jahrhundertwende stieg die Zahl der Betriebe wieder auf 30 an.

Zwei Dützer Bauern hatten bis kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges noch gebrannt. Es waren wohl die letzten in der weiteren Umgebung. Dann war auch ihr Tonvorkommen erschöpft.

Außerdem lohnte es sich schon lange nicht mehr, denn gegen die maschinelle Fertigung der Großbetriebe konnte man nicht konkurrieren.

Manches Haus in Dützen ist aus heimischen handverstrichenen Feldbrandziegeln erbaut,
so z.B. die Häuser der Bauern Bickmeier Nr. 3, Bickmeier Nr. 5, Kelle und Huck sowie das Kaufhaus der Geschw. Becker der heutigen "Apotheke am Bürgerpark".

Wo früher Steine gebacken wurden und der Qualm in dicken Schwaden die Luft vernebelte, stehen heute schmucke Eigenheime und in den Gärten blühen bunte Blumen.
Außer den Straßenbezeichnungen deutet nichts mehr auf die früheren Feldbrandziegeleien hin.

 

Heimatverein Dützen • Zechenstraße 7 • 32429 Minden • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! • Tel.:  0571 - 5090257

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